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Biologische Station Krefeld

Ameisen
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Die "Glänzend schwarze Holzameise" und ihre Pilzzucht
in den Kopfweiden des Hülser Bruches

 von Martin Sorg und Werner Stenmans

Ameisen werden vielen Menschen erst unmittelbar bewusst, wenn diese in Wohnungen oder Wintergärten eindringen bzw. die Pflasterung von Terrasse oder Garageneinfahrt unterhöhlt wird. Dies ist eigentlich verwunderlich, da Ameisen in unserem Ökosystem in nahezu allen denkbaren Lebensräumen anzutreffen sind.

In der Bundesrepublik Deutschland sind gegenwärtig etwa 111 verschiedene Ameisenarten bekannt, in Mitteleuropa 160 Arten. Für das Stadtgebiet von Krefeld einschließlich des Hülser Bruch- und Berggebietes gibt es keine genaueren Angaben über die Anzahl der möglichen Arten. Auch eine Literaturauswertung über mehr als 100 Jahre naturkundlicher Veröffentlichungen für das Hülser Bruch- und Berggebiet sowie für den Krefelder Raum ergab keine weiteren Informationen. Die naturkundliche Bearbeitung von Ameisen wurde in unserer Heimat bislang offensichtlich vernachlässigt. Nach Schätzungen der Verfasser sind bei uns mindestens etwa 40 verschiedene Ameisenarten anzutreffen. Einige davon sind natürlich bekannt und haben zum Teil sehr interessante Lebensweisen.

Das Hülser Bruch wird optisch unter anderem durch seine schönen Kopfweidenzeilen geprägt. Kopfweiden mit ihren botanischen und kulturhistorischen Aspekten wurden in den Hülser Heimatblättern des Jahres 1978 von Ernst SCHRAETZ ausführlich beschrieben. Zahlreiche weitere regionale und überregionale Veröffentlichungen befassen sich mit den vielfältigen Lebensgemeinschaften rund um die Kopfweiden. Vorstellen möchten wir in diesem Beitrag die glänzend schwarze Holzameise (Lasius fuliginosus), die als typische Bewohnerin von Kopfweiden des Hülser Bruches bezeichnet werden kann.

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Kopfweidenzeile im Hülser Bruch als Lebensraum von Lasius fuliginosus

Die Völker dieser Holzameise leben in den Hohlräumen der alten Bäume und züchten hier einen bestimmten Pilz. Wissenschaftler bezeichnen das als Pilzsymbiose. Symbiose ist ein Zusammenleben ungleicher Lebewesen zu gegenseitigem Nutzen. Zu Symbiosen zwischen Ameisen und Pilzen gibt es bekannte Beispiele aus den tropischen Erdteilen. Imposant sind die Pilzzuchten der Blattschneideameisen - zu sehen ist eine dieser Arten im Tropenhaus des Krefelder Zoos. Weniger bekannt ist die Pilzsymbiose der glänzend schwarzen Holzameise, obwohl es sich um eine einheimische Art handelt. Der von den Ameisen ausschließlich in den Wänden der Kartonnester gezüchtete Pilz trägt den wissenschaftlichen Namen Cladosporium myrmecophilum. Ein deutscher Name ist für den Pilz nicht bekannt.

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Nest der "Glänzend schwarzen Holzameise in teilweise hohler Kopfweide

Die Kartonnester sind in einzelne Kammern unterteilt und dienen den verschiedenen Funktionen des Ameisenstaates. Wichtige Bereiche sind die der Eiablage, Larvenentwicklung oder Brutfürsorge. Vier verschiedenen Kasten bevölkern den Staat. Arbeiter der ersten Kaste sind ältere Tiere und sammeln Feststoffe und transportieren diese in den Nestraum. Die zweite Kaste, ebenfalls ältere Tiere, tragen den Honigtau von Rindenläusen ein. Innerhalb des Nestes wird die gesammelte Flüssigkeit an die Arbeiterkaste übergeben, die mit dem Nestbau und der Brutfürsorge befasst ist. Diese verarbeiten den Honigtau sowie die Feststoffe zu dem Nestbaustoff. Die dünnwandigen Schichten dieses Nestes bestehen zu bis zu 50 % der Trockenmasse aus Zucker. Eine vierte Kaste baut Teile des vorhandenen Nestes um und verfrachtet hierbei auch die Mycelia des Pilzes an die neuen Nestteile. Die Ameisen ernten die Pilze kontinuierlich ab. Entnimmt man die Ameisen einem solchen Kartonnest, so sprießen die Pilze ungehindert weiter und verwachsen regellos zu einer pelzigen Masse. Ganz im Gegensatz zu den anderen pilzzüchtenden Ameisenarten oder auch den Termiten, fressen die glänzend schwarzen Holzameisen diesen von ihnen kultivierten Pilz jedoch nicht, er ist keine Nahrungsgrundlage. Wozu dient dann diese ungewöhnliche und bemerkenswerte Symbiose zwischen Pilz und Ameise?

Diese Nutzung des Pilzes ist im Endprodukt vergleichbar der Verwendung von Stahlarmierungen, Trägern und Stützen, wie sie der Mensch beim Bau von Häusern, z.B. im Stahlbeton-Hochbau verwendet. Das Mycelium der Pilze wächst in und durch die Wände des Nestes und stabilisiert diese mit seiner verflechtend, netzartig angeordneten Struktur. Die Anwendung bei den Ameisen ist nur um vieles geschickter, energiesparender und nachhaltiger als die Baumaßnahmen der Menschen, da sie einen nachwachsenden Rohstoff für ihre Konstruktion verwenden. Das Material ist insofern weiterhin unbegrenzt, da die Übertragung auf ein neues Nest in Form einer Impfung mit winzigen Teilen des Pilzes, für ein neues Bauwerk ausreichend ist. Die Menschen haben eine ähnlich effiziente Technologie - im Bauwerk selbst nachwachsende, stabilisierende Baustoffe - leider noch nicht zur Serienreife entwickelt.

Die glänzend schwarzen Holzameisen sind bis auf die für unsere Verhältnisse extremen Wintertage ganzjährig aktiv. Wenn man im Sommerhalbjahr die Kopfweidenreihen im Hülser Bruch mit offenen Augen beobachtet, kann man ohne Schwierigkeiten die ein oder andere Ameisenstrasse der schwarzen Holzameisen entdecken und die Betreuung der Rindenläuse durch die Ameisen beobachten.

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Arbeiterinnen von  Lasius fuliginosus bei der Brutpflege im Nest

 

 

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Stand: 12. November 2000